
Anlässlich des heutigen Recycling Tages habe ich mich dazu entschlossen mal wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Es sind mir in Bezug auf Müll, Plastik und dem Umgang mit Wertstoffen einige Dinge aufgefallen, die ich mit euch teilen möchte.
An der UNA (Universidad Nacional) wurden passend zum Tag des Recyclings Wertstoffe gesammelt. Heißt für jede Tüte an Glas, Dosen, Plastikmüll oder kaputte elektronische Gerät gab es eine Glasflasche. Ein super Tausch und hilfreich, da es sowas wie einen öffentlichen Wertstoffhof hier nicht gibt. Die Uni aber hat Kontakt mit der Stadt und so Zugang zur getrennten Mülldeponie. Zusätzlich gab es einige Online-Vorträge, die auf eine Leinwand projiziert wurden. An sich gut, leider haben das Vortrags-Angebot nur wenige genutzt. An sich fand ich die Präsentationen interessant, aber ein großer Aspekte der mir gefehlt hat: Es ist immer besser Müll zu vermeiden und wieder zu verwenden, als sich aufs Recycling zu verlassen! Vor allem hier, wo es sowas wie Mülltrennung nicht im großen Stil gibt. Es gilt Reduce, dann Reuse und zuletzt Recycle.


Zu dem Thema gleich ein schönes Szenario von vor einer Woche:
Ich bin mit einer Freundin im Obst- und Gemüse-Supermarkt. Natürlich habe ich einen Rucksack und einen Beutel für die Einkäufe dabei. Ich stehe an der Kasse mit meinen Einkäufen. Die Freundin hat keine Tüte, also nimmt sie eine aus Plastik (meine Tüten reichen nicht auch noch für ihre Einkäufe). Ich nehme die einzelnen Tomaten und Chilischoten und lege sie zum wiegen auf die Waage. Die Verkäuferin greif hinter sich und reißt eine kleine Plastiktüte von der Rolle ab. Darauf folgt diese Konversation:
Ich: „Oh, nein danke! Ich brauche keine Tüte. Ich habe meine eigene mitgebracht.“
Sie: „Aber die Dinge sind nass. Und das sind Chilischoten. Du brauchst doch eine Tüte?!“
Ich: „Nein das geht auch so.“
Sie schaut mich mit verständnislosem Blick und hochgezogener Augenbraue an, während ich anfange das Gemüse in die Taschen zu packen. Aus dem Augenwinkel sehe ich wie sie die UNBENUTZT Tüte nimmt und in den Mülleimer wirft.
Ich (höflich): „Haben Sie die Tüte gerade weggeworfen?“
„Ja.“
„Aber die war doch noch unbenutzt. Wenn Sie sie wegwerfen kann ich sie auch besser nehmen und für anderen verwenden.“
Wieder ein verständnisloser Blick: „Aber die ist im Mülleimer. Wenn du willst kann ich dir eine neue geben.“
Ich, am Rande eines Nervenausbruchs aber ruhig: „Nein, ich Sie können mir diese geben.“
„Aber die ist im Mülleimer.“
„Kein Problem, ich kann sie auch selber rausholen.“
Sie nimmt die Tüte mit Kopfschütteln und gibt sie mir.
Ich verlasse den Laden und lasse meine Wut raus. Das kann doch nicht sein! Was ist nur los mit den Leuten?! Es kommt ihnen nicht mal in den Sinn, dass es auch möglich wäre eigene Tüten mitzubringen oder sonst wenigstens auf so viel wie möglich zu verzichten.
Die costa ricanische Freundin lächel über meine Ausraster, hat aber Verständnis. „Die Menschen sind noch nicht so weit. Ich habe es bei mir Zuhause auch schon mit Mülltrennung versucht, aber es gibt keine seperate Müllabfuhr und das ist meinen Eltern zu aufwendig. Ahhh! Aber gut. Wir haben ein Gespräch über Mülltrennung, Recycling und das Pfandsystem in Deutschland. Sie ist begeistert und fängt direkt an zu träumen: „Wenn wir das nur hätten! Die meisten Familien hier kaufen mindestens eine 3l Flasche kaltes Süßgetränk pro Tag. Viele sogar mehr. Die landen aber nur im normalen Müll. Es gibt einige Sammelaktion für die Deckel, damit die benutzt werden können, um daraus Rampen für Gehbehinderte z.B. in Strandorten zu machen, aber mehr nicht.“
Das stimmt, darüber habe ich heute beim Recycling Tag in der Uni noch mehr gelernt. Das härtere Plastik wird eingeschmolzen und für solche Brücken oder auch „Leitstreifen“ für Sehbehinderte (wie die weißen, geriffelten Steine bei Bushaltestellen in Deutschland) genutzt.
Das mit den Softdrinks ist mir auch schon aufgefallen. Abgesehen davon, dass es in jeglicher Hinsicht ungesund ist und die großen Firmen wie Coca Cola absolut nicht unterstützenswert sind, entsteht dadurch so viel Müll, dass ich mich jedes Mal erschrecke. Da das Müllsystem, wie schon im letzten Beitrag über Plastik erwähnt, super schlecht funktioniert, verbrennen die Leute es lieber einfach. Und es gibt noch ein weiteres Problem, was ich beobachtet habe. Wenn die Leute hier losgehen, um zum Mittagessen eine Flasche Cola zu kaufen, transportieren sie die Flasche niemals einfach so in ihrer Hand. Sie befindet sich immer in einer Plastiktüte – zum besseren Tragen versteht sich. Noch mal Ahhhhhh!!!
Zurück zum Gespräch mit meiner Freundin. Ich habe das Gefühl, sie hat verstanden worum es mir geht und warum es wichtig ist drauf zu achten Plastik zu vermeiden und das auch anderen zu erklären. Tja, scheinbar nicht ganz. Denn als wir am nächsten Supermarkt halten und sie rein läuft um Chips und Bohnenpaste zu kaufen, kommt sie mit einer neuen Plastiktüte zurück. Dabei hat sie doch noch Platz in der anderen. Zu dem Zeitpunkt ist mir nur noch zum Heulen zumute. Zum Glück bin ich so eng mit ihr, dass ich sie drauf ansprechen kann, ohne dass sie mich danach hassen wird. „Er hatte es schon in die Tüte gepackt, bevor ich etwas sagen konnte.“ Dann gibst du die Tüte einfach zurück! Man ey! Aber gut. Ich habe gelernt, dass hier in Costa Rica gilt: besser nichts sagen und im Stillen unzufrieden sein, als eine Auseinandersetzung zu riskieren. Für mich eines der größten Probleme (oder besser Schwierigkeiten) in dieser Kultur. Wir Deutschen lieben es zu diskutieren, argumentieren und am liebsten Recht zu haben. Aber damit kommen die Menschen hier gar nicht klar. Da muss man sich anpassen und subtil gegen Dinge ankämpfen. Sehr viel anstrengend, sehr viel langsamer und sehr viel frustrierender. Aber was man nicht alles für die Veränderung tut.
Apropos Veränderung: Es gibt einige Dinge, die sich an meiner Einstellung zu meinem Projekt und meiner Zeit hier geändert haben, aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.
Da die Idee von diesem Blog nicht nur ist zu berichten, sondern auch Denkanstöße zu geben hier noch 5 Tipps zu Plastikvermeidung aka ZeroWaste-Strategie:
1. Eigene Einkaufstasche
Es ist ein geringer Aufwand eine zusammengerollte Tüte immer mit dabei zu haben, aber so effektiv.
2. Gamöffel
Ein Besteck was sowohl Gabel, als auch Messer und Löffel ist. Nimmt wirklich kein Platz weg und vermeidet, besonders bei To Go- Essen, sehr viel Müll. Wenn du sowas nicht hast, geht auch einfach eine Gabel aus der Besteckschublade (besser nutzen was man hat, als neu zu kaufen). Das nächste Level währe dann noch eine Brotbox fürs Mitnehmen von Essensresten im Restaurant.
3. Wasserflasche
Sehr einfach und wieder sehr effektiv. Ich empfehle eine aus Metal mit breiter Öffnung. Dann kann man sie einfacher säubern und sie stinkt nicht so schnell, wie welche aus Plastik. Ansonsten kannst du auch Einmal-Flaschen öfter auffüllen.
4. Gemüsenetz
Wenn du willst, dass dein Gemüse beim Einkaufen nicht durcheinander fliegt und es an der Kasse leichter zu wiegen ist, dann sind diese kleine Beutel deine Rettung. Es gibt sie eigentlich überall beim Gemüse. Alternativ gehen auch Plastiktüten von früher.
5. Selber machen statt kaufen!
Das gilt nicht nur für Limonaden (da kann ich euch auch noch ein Blog zu machen). Wusstet ihr, dass es super einfach ist „Tofu“ aus allen möglichen Gemüsearten zu machen? Ich bis vor kurzem auf jeden Fall nicht. Hier ein Link zu einem super einfach Rezept: https://www.instagram.com/reel/Cdc16tjoMuu/?igshid=YmMyMTA2M2Y=
Ich hoffe ihr könnt meine Frustration nachvollziehen und ihr gebt euer Bestes beim Kampf gegen all das sinnlose Plastik! #unverpacktgehtauch
Bis bald, Greta
PS: Es ist mir noch wichtig zu sagen, dass ich auf keinen Fall denke, dass Deutschland alles besser macht. Ich kenne viele Personen in Deutschland denen es egal ist, wie viel Müll sie produzieren und was damit passiert. Genauso kenne ich ein paar Menschen hier, die sich sehr für die Wiederaufbereitung ihres Mülls einsetzen. General ist die Tendenz aber wie beschrieben und auch vom System her in Costa Rica nicht so leicht bzw. „normalisiert“.

